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Machst jeden Gegner nass

Titel: Machst jeden Gegner nass
Autor: Birgitt Schuknecht
Fandom: Robin Hood (2006)
Charakter: Robin Hood, Will Scarlett; Robin/Will; Allan/Will impliziert
Kategorie: Challenge: fanfic25 - Runde 3 - Wassermann (07), Slash
zeitliche Einordnung: nach A Clue? No!
Spoiler: für die gesamte erste Staffel
Zusammenfassung/Appetithappen: Nicht zum ersten Mal ermahnte sich Will, dass er nicht alles haben konnte, dass er nicht beide haben durfte.
Anzahl der Worte: 3.024 (ohne Header und Titel)
Datum: 25.08.2007
Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Charakteren und den Ereignissen aus Robin Hood. Diese Rechte gehören Tiger Aspect Productions und British Broadcasting Corporation (BBC). Ich beabsichtige in keiner Weise, diese Rechte zu beschneiden. Zwar besitze ich die Rechte an dieser Geschichte, habe aber keine Intention, durch sie materielle Vorteile zu erlangen. Der Titel stammt - leicht modifiziert - aus dem Lied "Bochum" von Herbert Grönemeyer.
Anmerkung: Für den Prompt 07: Wassermann (fanfic_de-Challenge fanfic25-03: Robin Hood (2006). Will Scarlett.)




Machst jeden Gegner nass



"Bereust du es schon?"

Will durchfuhr ein Schauer, der nichts mit der Kälte zu tun hatte. Ihre Situation erinnerte ihn an eine viel zu ähnliche und die Erinnerung daran schmerzte immer noch. Allan hatte die Sache schnell abgehakt, schließlich war alles gut ausgegangen. Wieso sollten sie mehr als eine Entschuldigung an die Angelegenheit verschwenden? Will zweifelte nicht, dass Allan seine Worte ernst gemeint hatte. Sie hatten beide zurück gewollt. Much hatte auf seine subtile Art und Weise angedeutet, dass er Will als treibende Kraft vermutete, aber Will hatte ihm - und allen anderen, die sich größte Mühe gegeben hatten, ihre Neugier zu verbergen - klargemacht, dass er sich irrte. Er war allerdings nicht ins Detail gegangen. Was sich zwischen ihm und Allan abgespielt hatte, ging niemanden etwas an. Nicht einmal Robin. Ganz besonders nicht Robin.

Trotzdem ließ Will die Sache keine Ruhe. Es war pures Glück gewesen, dass sie zum richtigen Zeitpunkt den Kampf erreicht hatten. Schon von weitem war der Lärm zu hören gewesen. Allan und Will hatten sich angesehen - Allan hatte so geschockt und schuldbewusst ausgesehen, wie Will sich gefühlt hatte - und waren den Abhang hinunter gehetzt. Keine Stunde später und die anderen wären verloren gewesen. Glück hatte über Leben und Tod entschieden.

Will wollte nicht darüber nachdenken, aber das was wäre wenn ließ sich nicht verdrängen. Zu bereits existierenden waren ein paar neue Alpträume hinzugekommen. Er war sich auch nicht immer sicher, ob die Blicke seiner Freunde nicht doch vorwurfsvoll oder misstrauisch waren.

Die letzte halbe Stunde war der reinste Horror gewesen. Mitten im Wald zu sitzen, im strömenden Regen, neben einem Mann, der ihm so viel bedeutete, dass es beinahe wehtat... Hier und jetzt war es Robin, damals war es Allan gewesen, aber eigentlich machte es keinen Unterschied. War er mit Allan zusammen, überlegte er sich, was Robin sagen oder tun würde; war er in Robins Nähe, hörte er Allans Stimme und vermisste sein Lachen. Nicht zum ersten Mal ermahnte sich Will, dass er nicht alles haben konnte, dass er nicht beide haben durfte.

"Will?"

Das Wasser, das ihm in die Augen lief, als er aufsah - war das wirklich nur der Regen? -, ließ ihn blinzeln und es stach etwas. "Was?" Es klang überzeugend schroff; wenn er schon schlechte Laune schob, warum sie nicht nutzbringend einsetzen?

"Ich habe gefragt, ob du es schon bereust? Du könntest jetzt im Lager sitzen, warm und trocken--"

Typisch Robin, dass er sich von Wills Stimmung nicht beeindrucken ließ. Will bedauerte, dass sein wütendes Starren bei diesen Lichtverhältnissen außer Frustration rein gar nichts einbrachte. "Und die Ergebnisse von Muchs Kochkünsten genießen?"

"Auch das." Will konnte Robin nur als Umriss erkennen, aber er konnte hören, dass er lächelte. So viele Eindrücke hatten sich während der letzten Monate in sein Gedächtnis gebrannt, dass jeder Tonfall ein entsprechendes Bild lieferte. "Immer noch besser, als bis auf die Knochen nass zu werden. Little John hat uns vor dem Unwetter gewarnt."

Will schnaubte. "Dieses verdammte Wetter hält sich schon seit Wochen. Die Vorräte sind nahezu aufgebraucht. Was blieb uns anderes übrig?" Sie hatten es seit zwei Tagen diskutiert und alle waren sich einig gewesen, dass Abwarten keine Option mehr war. Gisborne benahm sich seit seinem gescheiterten Hochzeitstag wie ein waidwunder Eber. Er trieb nicht nur sich, sondern auch seine Männer ohne Unterlass an, in der Hoffnung, dass Robin Hood sich irgendwo blicken ließe. Es gab keine Anzeichen, dass seine Alarmbereitschaft oder Aufmerksamkeit nachließ: Den idealen Zeitpunkt, auf die Jagd zu gehen oder ihre Kontakte in den Dörfern aufzusuchen, würde es vielleicht nie wieder geben. Nachteil einer offenen Kriegserklärung.

"Ich wäre auch allein zurechtgekommen."

"Die Regel, dass keiner auf eigene Faust loszieht, stammt nicht von mir. Und eine andere Möglichkeit hatten wir nicht. Locksley und Nettlestone sind unter ständiger Bewachung. Knighton Hall wäre Selbstmord. Und selbst John will nicht mehr nach Nottingham."

Robin lachte über Wills schwachen Witz. "Ich liebe es, mit meinen eigenen Worten geschlagen zu werden."

"Fast hätten wir es zurück geschafft." Will stupste den Hirschbock mit der Stiefelspitze an. "Und eigentlich könnten wir auch weitergehen, nasser werden können wir nicht." Das Vorhaben, unter der Last ihrer Beute den Heimweg anzutreten, während sie kaum die Hand vor Augen sahen, schrie geradezu 'gebrochener Knöchel'. Doch die Vorstellung, noch länger hier zu sitzen, hin- und hergerissen von seinen Gefühlen für Allan und Robin--

"Bist du wahnsinnig?" Robin schüttelte vehement den Kopf und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht, wischte sich die nassen Hände an den noch nasseren Hosen ab. "Die anderen werden begeistert sein, wenn sie uns aus irgendeinem Schlammloch ziehen müssen. Wenn sie uns überhaupt vor Einbruch der Nacht suchen. Sie werden damit rechnen, dass wir Unterschlupf gesucht haben."

Unwillkürlich sah Will gen Himmel. Es war früher Nachmittag, doch die Wolkendecke war so dicht, dass kaum ein Sonnenstrahl durchkam. "Kommt mir vor, als wäre die Nacht schon hereingebrochen."

"Kommt mir vor, als säßen wir schon seit Stunden hier." Robin seufzte übertrieben und dann wurde aus dem Laut ein leises Lachen. "Wenn ich daran denke, wie oft Much und ich uns einen solchen Regenguss gewünscht haben."

"Im Heiligen Land?" Die Frage war heraus, bevor Will nachgedacht hatte. Er war neugierig und lauschte begierig Robins und Djaqs Erzählungen über die Kreuzzüge. Bei ihrer Begegnung mit Harold und Saladins Bruder hatte er begriffen, dass viele Ängste aus Unwissenheit und Aberglauben entstanden. Je mehr er also wusste und lernte... Allerdings war es etwas anderes, wenn er mit Robin allein war. Robin verlor sich dann oft in Erinnerungen, seine Augen sahen etwas, das Will niemals würde begreifen können. Und er sprach häufig von Much, von sich und Much. Das mochte Will fast noch weniger, als wenn Robin von Marian sprach.

"War uns nicht heilig." Robin lehnte sich an den Baumstamm und verschränkte die Arme vor der Brust. "Naja, vielleicht am Anfang. Wir waren so kampflustig, so siegessicher, so stolz. Es dauerte nicht lang, bis wir begriffen, dass es nur Dummheit und Arroganz waren, die uns die Wahrheit ignorieren ließen. Hunger, Durst, Hitze, Kälte und Blut, vor allem Blut, dringt irgendwann in den dicksten Schädel. Doch dann ist da immer noch die Ehre, der Treueschwur, der dich vom Weglaufen abhält."

Will schluckte schwer. Er hätte gern geglaubt, dass Robins letzte Bemerkung nicht auf ihn gemünzt war. Doch wieder schlichen sich diese Bilder in seinen Kopf. Marian hatte tot vor ihnen gelegen, das war für unendlich scheinende Augenblicke kein Alptraum gewesen, sondern brutale Wirklichkeit. Vielleicht hatte er mehr um sich selbst als um sie geweint, vielleicht war die Schuld größer als die Trauer gewesen. Schließlich hatte seine Feigheit Menschen, die er liebte, die einzige Familie, die ihm geblieben war, in Gefahr gebracht. Wenn Marian tatsächlich gestorben wäre, hätte er Robin niemals mehr in die Augen sehen können.

"Es tut mir leid." Wieder hatte er die Worte ausgesprochen, bevor sie ihm bewusst geworden waren. Erschrocken schwieg er und hoffte, dass Robin zu sehr in Gedanken versunken war.

"Hmmm? Will, du brauchst mich nicht zu bedauern. Niemand hat mich gezwungen, dem König in diesen Krieg zu folgen. Ich habe aus freien Stücken meiner Heimat den Rücken gekehrt, weil ich mich nach einem Ruhm sehnte, den ich hier nicht finden konnte. Weil ich zu blind war, um zu erkennen, wo ich gebraucht wurde. Ich habe mein Erbe aufs Spiel gesetzt. Und es verloren."

"Um meinen Hals zu retten!" Das Blut schoss Will ins Gesicht und er verbesserte sich hastig. "Ich meine, um uns zu retten. Allan, Benedikt, Luke und mich."

"Das wäre vielleicht gar nicht erst passiert, wenn ich nicht versucht hätte, ein strahlender Ritter Gottes zu werden. Marians Vater wäre vielleicht immer noch Sheriff."

Will entspannte sich etwas. Robin sprach nicht von Much oder Marian. "War es nur das Verlangen nach Ruhm?" Er erinnerte sich an ein Streitgespräch zwischen seinem Vater und einem Nachbarn. Lasst uns zu Gott beten, dass Locksley das Fieber übersteht. Der junge Herr hält nichts von Verantwortung. Sein Vater hatte Robin verteidigt, doch Kenneth hatte nichts von jugendlichem Tatendrang hören wollen.

"Was denn sonst?"

Will war sich nicht sicher, aber er hatte das Gefühl, dass Robins Haltung plötzlich angespannter war. Doch er konnte seine Vermutungen nicht so herausfordernd aussprechen, wie er es sonst zu tun pflegte. Trotzdem wollte er Robin seine Zurückhaltung nicht spüren lassen. "Nachdem meine Mutter gestorben war, habe ich mehr als einmal überlegt fortzugehen." Als Robin schwieg, fuhr er langsam fort. "Alles zuhause, vor allem der Anblick meines Vaters, schnürte mir die Kehle zu, ich glaubte, ersticken zu müssen. Und ich konnte mit niemandem reden."

"Hast du... dich schuldig gefühlt?"

Will schloss die Augen und er sah das blasse Gesicht seiner Mutter und hörte das Weinen seines kleinen Bruders. Luke hatte sich an ihren Vater geklammert, und die beiden hatten sich gegenseitig Halt gegeben. Will hatte sich als Außenseiter gefühlt, sich für den Einzigen gehalten, der die Wahrheit erkannt hatte. Wie konnten sie um sie weinen und trauern? Oh ja, er hatte sich die Schuld für ihren Tod gegeben. Sich selbst, Luke, ihrem Vater - sie alle waren schuld, dass Jane Scarlett verhungert war. "Ja."

"Aber du bist geblieben."

"Ich hatte vor dem Weglaufen noch mehr Angst."

"Bist du deswegen auch nicht nach Scarborough gegangen? Ich bin sicher, Allan ist nur wegen dir zurückgekommen."

Da war er endlich, der Tiefschlag, auf den Will seit Wochen gewartet hatte. Er hatte schon so oft damit gerechnet - und sich davor gefürchtet. Jetzt, da Robin ihn darauf ansprach, war er nicht vorbereitet. Es war bestimmt kein Zufall, dass Robin eine Situation abgewartet hatte, in der er ihm nicht ausweichen konnte. Aber versuchen musste er es.

"Du klingst wie Much. Der hat es auch nicht begriffen. Ich hab's ihm erklärt, aber er glaubt es nicht." Er zwang sich, ruhig zu bleiben. "Wir sind gemeinsam gegangen, wir sind gemeinsam zurückgekommen."

"Ich weiß, ich war dabei. Und ich zweifle nicht daran, dass es die Wahrheit ist. Ich bezweifle lediglich, dass ihr gemeinsame Motive hattet."

Will sprang auf; Regen und Gefahren waren ihm plötzlich egal, er musste hier weg. Allan hörte nicht auf zu betonen, dass Robin genau wusste, wie er Will behandeln musste. Wie er ihn manipulieren konnte. Will wusste es auch und er akzeptierte es. Solange Robin eine gewisse Linie nicht überschritt. Allan - oder besser: Wills Beziehung zu Allan - war tabu. Will versuchte nicht, Marians oder Muchs Stellung in Robins Leben einzunehmen, und er erwartete von Robin die gleiche... Höflichkeit.

"Wenn du Allans Loyalität anzweifelst, sag ihm das ins Gesicht. Lass mich da raus." Aus diesem einen Spiel lass mich raus.

Robin erhob sich ebenfalls und griff nach Wills Arm. Will wich ihm aus, packte sich die Beine des Hirschbocks und schwang sich das Tier auf den Rücken. Auch wenn nicht es ausgewachsen war, reichte das Gewicht, um ihn schwanken zu lassen, aber er konnte die Balance halten. Dennoch gab es Robin die Chance, ihn festzuhalten.

"Allans Loyalität - schönes Wortspiel übrigens - ist mir gleich, Will. Du bist mir nicht gleich. Ich will von dir hören, warum du gegangen bist. Und dann doch wieder nicht."

Will schüttelte den Kopf; die nassen Strähnen fielen ihm sofort wieder ins Gesicht. Wenn er diese Frage ehrlich beantwortete, würde er das, was er jetzt hatte, verlieren.

Du kannst nicht beide haben.

"Nachdem wir uns getrennt haben, saßen wir im Wald fest. So wie wir heute. Von einem Moment auf den anderen haben wir begriffen, dass es vorbei war. Der König kommt zurück. Robin of Locksley erhält seinen Besitz zurück. Gisborne und der Sheriff bekommen ihre gerechten Strafen. Es gab keinen Grund mehr für uns zurückzugehen. Unser Kampf war vorbei."

Mir war klar, dass ich dich verloren hatte. Allan bot mir die Welt an. Was hätte ich tun sollen? Umkehren und gegen Marian um dich kämpfen? Ich hatte Allan. Wir saßen da, mit einem Schatz zu unseren Füßen. Mit allen Möglichkeiten. Außer einer, die erst seit ein paar Stunden keine mehr war. Es gab keinen Grund mehr zurückzukommen. Mein Kampf war vorbei.

"Das hast du schön auswendig gelernt. Selbst wenn ich dir diese kleine Rede abkaufe, erklärt das noch lange nicht, warum ihr genau in dem Augenblick auftaucht, wenn ihr gebraucht werdet. Much hat nicht Unrecht, wenn er sich seine Gedanken macht. Du hättest ihn hören sollen. Wo ist Allan? Und Will? Es ging mir durch und durch. Ich hatte keine Antwort auf eine Frage, die ich mir nie hätte stellen sollen. Ich habe mich immer auf dich verlassen können."

Will nickte, begriff, dass Robin es nicht sehen konnte. "Na endlich ist es raus. Gut zu wissen, dass du mir nicht mehr traust." Er drehte sich um, nutzte das Gewicht des Hirsches, um Robins Hand auf seinem Arm loszuwerden. Er brauchte nur ein paar Schritte die kleine Anhöhe hinabzugehen, um zu begreifen, dass es Unsinn war, was er hier vorhatte. Nicht nur, dass er kaum etwas erkennen konnte, der Pfad, dem sie folgen mussten, hatte sich in einen Sturzbach verwandelt. Mit einem Fluch drehte er sich wieder um und stapfte zurück zu Robin, schleuderte ihm den Bock vor die Füße. Diesmal verlor er Balance, er machte einen Schritt rückwärts, kam ins Rutschen. Vergeblich versuchte er, sich festzuhalten, er schlitterte weiter, bis er in besagtem Bach landete. Das Wasser lief ihm in die Stiefel und auch die Teile seiner Kleidung, die noch nicht durchnässt gewesen waren, sogen sich mit der eiskalten Flüssigkeit voll.

"Will!"

Langsam hob Will den Kopf und stemmte sich hoch, bis er im Bach kniete; er konnte nichts erkennen, aber nach ein paar Augenblicken hörte er Robins Keuchen. Er unterdrückte den Drang, sich das Wasser aus dem Gesicht zu wischen.

"Warte!" Robin zog ihn mit beiden Händen am Arm hoch. "Kannst du laufen?"

"Weiß ni-nicht." Will machte einen vorsichtigen Schritt; er hatte fraglos weiche Knie, aber wenigstens knickte er nicht ein. "Geht schon."

Robin zog ihn hinter sich her, die Anhöhe hinauf, legte ihm die Hände auf die Schultern. "Setz dich."

Will folgte der Anweisung und holte ein paar mal tief Atem. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Vorhin war es nur ungemütlich gewesen; jetzt fühlte er sich, wie sich wohl eine halbertränkte Ratte fühlen musste. Er schlang sich die Arme um den Körper, aber wärmer wurde ihm davon nicht. Wasser und Schlamm schienen überall zu sein oder zumindest auf dem besten Weg dorthin.

"Will, du Idiot! Du hättest dir den Hals brechen können. Und du kannst dir immer noch den Tod holen."

"War vo-vorher schon na-nass und ka-kalt." Seine Zähne schlugen aufeinander.

"Dann bist du jetzt klatschnass und eiskalt. Warte." Robin zog sein Messer und machte sich an dem Bock zu schaffen. Will hatte eine Idee, was er vorhatte, und versuchte die Vorstellung zu verdrängen, in blutiges Fell gepackt zu werden. Er schloss die Augen und lehnte sich an den Baumstamm zurück.

"Hey! Nicht einschlafen." Robin drückte sich zwischen Will und den Baum. Robin zog das Fell heran und deckte Will damit zu. Will kämpfte mit einem Dutzend Empfindungen gleichzeitig. Er konnte nicht glauben, dass er sich trotz des Blutgestanks, der Nässe, die sich von einer eiskalten in eine fast ebenso unangenehm warme Nässe verwandelte, seiner Wut auf sich selbst und auf Robin irgendwie geborgen fühlte. Wie konnte man nur gleichzeitig die Nähe eines Menschen fürchten und begehren? Verdammter Regen. Verdammter Hirschbock. Verdammter Robin of Locksley.

"Tut mir leid", sagte er, um sich von seinen Gedanken abzulenken.

"Was genau? Dass du dich fast umgebracht hast? Dass du mich in eine der absurdesten Situationen meines Lebens gebracht hast? Dass John uns die Ohren lang ziehen wird, weil wir gutes englisches Wildbret derart zuschanden kommen lassen?" Robin gab eine Mischung aus einem Seufzer und einem Schnauben von sich. "Oder tut es dir vielleicht leid, dass du aufgehört hast, ehrlich mit mir zu sein?"

Ein Stich tief drinnen verjagte die Geborgenheit mit einem Schlag. "Ich bin ehrlich mit dir."

Die Arme um seinen Oberkörper packten noch etwas fester zu. "Lüg mich nicht an, Will Scarlett. Seit dem Tag, an dem Vaysey und Gisborne uns fast erledigt haben, warst du nicht mehr ehrlich mit mir. Ich kann mich nicht beschweren, du übernimmst genug Verantwortung, zu viel wahrscheinlich. Du musst mir nicht beweisen, dass du immer noch zu uns gehörst. Du musst mein Vertrauen nicht wiedergewinnen. Vorhin... Ich wollte dir nicht vorwerfen, dass du beinahe mit Allan weggegangen wärst. Und schon gar nicht wollte ich dir vorwerfen, dass du zurückgekommen bist. Es... Es hat nur so weh getan, dass du nicht da warst, als ich dich am meisten brauchte. Und es hat mir Angst gemacht."

Du. Nicht ihr. Robins Wortwahl war kein Zufall. Es ging ihm in der Tat nicht um Allan. Dieses Wissen brannte in Will wie starker Wein. Es stieg ihm zu Kopf und er fühlte sich besser, als er sich fühlen wollte. Werd erwachsen, Will. Robin weiß genau, wie er dich kriegen kann. Will verfluchte die Stimme in seinem Kopf. Allans Stimme.

"Ich will nur von dir wissen warum. Eine ehrliche Antwort. Nicht mehr, nicht weniger."

Will schüttelte den Kopf. Plötzlich spürte er Robins Atem in seinem Nacken, sanft und warm. Am liebsten wäre er aufgesprungen, aber das konnte er ja vergessen. Er verspannte sich, versuchte, von Robin loszukommen, doch der hielt ihn fester.

"Will, bitte. Du willst dir wohl ein Fieber einhandeln?"

Hatte er schon längst. Er war sich nicht sicher, ob er es überhaupt loswerden wollte. Langsam entspannte er sich wieder, es war erschreckend leicht, sich in Robins Umarmung fallen zu lassen. Die Antwort auf seine Frage war einfach. Will wusste, wohin er gehörte, wusste, was - oder besser wen - er nie würde aufgeben können. Robin wusste es auch. Will musste es nicht aussprechen. Mit jedem Augenblick, den er in Robins Armen verbrachte, gab er Robin die Antwort, die er haben wollte.

Allan hatte ihm angeboten, gemeinsam die Welt zu entdecken. Doch da draußen war nichts, was er sehen wollte, nicht um diesen Preis. Aber es war nicht mehr wichtig, was er aufgegeben hatte. Will hatte viel gewonnen. Er hatte immer noch beide. Solange Allan damit leben konnte. Aber Robin hatte natürlich Recht. Und Much auch. Allan war nur wegen ihm umgekehrt.

Endlich ließ der Regen nach, bald würde sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke bahnen. Sie würden keine Schwierigkeiten haben, einen anderen Weg zurück zu finden.




fanfic25-03: Robin Hood (BBC2006). Will Scarlett.

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